Gebet

Gebet ist die größte Möglichkeit der Menschen, aber es nimmt den kleinsten Raum in ihrem Tun ein. Gebet ist die schönste Pflicht der Glaubenden, aber sie wird am schlechtesten erfüllt. Gebet ist die einfachste Form der Liebe und Hingabe, aber es wird das schwierigste Problem daraus. Allen Menschen steht im Gebet die Tür zu Gott weit auf, aber nur die wenigsten gehen wirklich hindurch. Gebet ist die naheliegendste Form, über sich selbst hinauszuwachsen, aber die Menschen greifen lieber nach den allerfernsten Praktiken. Es ist viel leichter in der Arbeit treu zu sein, als im Gebet. Wir glauben, dass das Gebet am meisten bewirkt, aber wir leben, als ob unser Wirken am meisten ergibt. Gebet ist die sicherste Möglichkeit, an all den Gaben Gottes teilzuhaben, aber nirgends sind wir so unsicher wie im Leben des Gebets. Gott weiß, was wir brauchen, ehe wir ihn darum bitten, aber er möchte es uns geben, wenn wir darum bitten.

„Herr, lehre uns beten!“ (Lukas 11, 1)

Ist der Weg frei?

In Surinam haben sich die Christen, weil ihre Hütten nur aus einem Raum bestehen, einen Gebetsplatz im Wald gesucht, wohin sie täglich gingen, um dort in der Stille allein mit Gott zu reden. Die Gebetswege waren mit der Zeit wie ausgetretene kleine Pfade.
Eines Tages sagte ein Eingeborener zu seinem Nachbarn ganz liebevoll: „Du, auf deinem Gebetsweg wächst langsam das Gras!“
Der Weg zu Gott im Gebet ist immer frei. Gott wartet mit Sehnsucht darauf, dass wir Zeit haben und Ruhe finden, mit ihm zu reden und auf ihn zu hören. Ist auf unserem Gebetsweg auch Gras gewachsen, weil wir ihn so selten benutzen?
„Durch Gebet weicht der Staub von der Seele und die Last vom Gewissen und die Angst aus dem Herzen. Der Mensch wird frei, die Fesseln fallen zu seinen Füßen nieder. Gebet ist der Zusammenschluss mit dem Erlöser!“ (Hermann Bezzel)

„Sorget nichts, sondern in allen Dingen lasset eure Bitten im Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“ (Epheser 4, 6)

Lied von Gerhard Bartschies

Geborgen, geborgen, geborgen, Herr, bin ich in dir.
Geborgen, geborgen, geborgen, Herr, bin ich in dir.

Herr, ich bin in deiner Hand und in deiner Hut;
halt’ ich dies im Glauben fest, dann geht alles gut.
Halt’ ich dies im Glauben fest, dann geht alles gut.

Herr, ich bin in deinem Schutz, auch in finst’rer Nacht;
halt’ ich dies im Glauben fest, bin ich wohl bewacht.
Halt’ ich dies im Glauben fest, bin ich wohl bewacht.

Herr, du weißt den Weg für mich, und ich will ihn geh’n;
halt’ ich dies im Glauben fest, kann mir nichts gescheh’n.
Halt’ ich dies im Glauben fest, kann mir nichts gescheh’n